EPL

Die EPLI-Versicherung (‘Employment Practices Liability Insurance’) bietet Versicherungsschutz für Unternehmen, deren Tochtergesellschaften und allen Mitarbeitern gegen Ansprüche auf den Ersatz von Vermögensschäden aus dem Arbeitsverhältnis.

 

Bedarf

Das Produkt hat sich zunächst in den USA etabliert, nachdem es dort zu gewaltigen Schadenersatzforderungen insbesondere von weiblichen Arbeitnehmerinnen gegenüber ihren Unternehmen gekommen war. Als Folge der Globalisierung sind nach und nach multikulturelle Arbeitnehmerschaften auch in Deutschland und Europa entstanden. Während die hohe Klagebereitschaft von Arbeitnehmern in den USA schon lange etabliert ist, sind inzwischen zunehmende Trends in Europa und Australien zu beobachten.

Gegenstand des Versicherungsschutzes

Die Employment Practices Liability Insurance (EPLI) bietet Unternehmen Versicherungsschutz für Schadenersatzansprüche, die von Arbeitnehmern, Bewerbern oder von staatlichen Stellen gegen die versicherten Unternehmen und/oder deren Mitarbeiter (=versicherte Personen) erhoben werden.


Da die EPLI-Versicherung aus dem angelsächsischen Raum stammt, beruht sie auf dem Prinzip der Anspruchserhebung (englisch: ‚Claims-Made‘). Der Versicherungsschutz wird demzufolge durch die Erhebung einer Schadenersatzforderung ausgelöst, nicht etwa durch die Pflichtverletzung oder die Verursachung des Schadens, wie es sonst bei Haftpflichtversicherungen in Deutschland üblich wäre.

 

Gedeckt sind Schadenersatzansprüche insbesondere wegen:

  • Diskriminierungen aller Arten und Formen;
  • ungerechtfertigter Entlassungen;
  • sexueller Belästigungen;
  • Schikanen und „victimisation“ (in UK);
  • Mobbings und der Erzeugung von Stress („stress claims“).

 

Weitergehend als der EPLI-Baustein in der D&O-Versicherung, welcher ausschließlich Organe als versicherte Personen schützt, deckt die EPLI-Versicherung auch Ansprüche gegen die Unternehmen selbst sowie gegen alle ihre Mitarbeiter ab.


Viele deutsche Unternehmen mit Tochtergesellschaften in den USA kaufen lokal in den USA eine EPLI-Versicherung. Auf diese Weise kann mit dem Mastervertrag in Deutschland und einer integrierten Lokalpolice für die USA ein weltweiter und kostengünstiger Versicherungsschutz zu adäquaten Bedingungen gekauft werden.

 

Versicherungssummen

Je nach Risiko hat der Versicherungsmarkt bislang Grunddeckungen mit Versicherungssummen bis zu 25 Mio. Euro je Schadenfall und Versicherungsperiode angeboten. Gleiches hat für die Anschlussdeckungen / Exzedenten gegolten. Größere Programme haben bislang in Deutschland Kapazitäten von 50 bis 100 Mio. Euro aufgewiesen.

 

Allerdings fahren die Anbieter in der aktuellen Marktverhärtung ihre Limits drastisch herunter (teilweise bis zu 50%), einige steigen sogar ganz aus dem Geschäft aus. Umso wichtiger ist es, neben einem sorgfältigen Underwriting frühzeitig mit den Versicherern ins Gespräch zu kommen, um ausreichende Kapazitäten zu sichern.

 

Selbstbeteiligung

Die Versicherer verlangen in aller Regel keine Selbstbeteiligung für die versicherten Personen. Für die versicherten Unternehmen liegen die Selbstbeteiligungen je nach Größe bei 25 bis 500 Tsd. Euro.

 

Ausschlüsse (standardmäßige)

Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind Ansprüche

  • aufgrund von (vor dem erstmaligen Vertragsbeginn) bekannter Pflichtverletzungen;
  • wegen wissentlicher / vorsätzlicher Pflichtverletzungen;
  • im Zusammenhang mit der Verletzung oder Geltendmachung kollektiven Arbeitsrechts;
  • von Bußgeldern und Strafzahlungen;
  • von Ansprüchen in den USA.

Jedenfalls bei insolvenzgeneigten Unternehmen muss künftig auch wieder mit Ausschlüssen gerechnet werden, die die Insolvenzrisiken teilweise oder ganz aus der Deckung herausnehmen.

 

Laufzeit der Deckung

Ein Jahr.